Jede Minute zählt beim Herzinfarkt

Während eines Herzinfarkts tritt ein plötzlicher und vollständiger Verschluss eines Herzkranzgefäßes auf. Teile vom Herzmuskel werden dann keineswegs mehr mit Sauerstoff versorgt. Das Muskelgewebe stirbt ab. In Deutschland erleiden jeden Tag etwa 800 Menschen einen Herzinfarkt. Dieser bedeutet immer Lebensgefahr. Deswegen sollte man bei einem Verdacht keineswegs zögern, sondern unverzüglich den Rettungsdienst alarmieren.

Schnelles Handeln ist bei Herzinfarkt wichtig

Ärzte können bis zu 90 Minuten nach einem Herzinfarkt verstopfte Gefäße erneut öffnen. Doch dies wird mit jeder weiteren Minute schwerer. Verstopfte Gefäße lassen sich nach sechs Stunden keineswegs mehr öffnen. Danach besteht das Risiko einer chronischen Herzschwäche. Schlimmstenfalls versagt das Herz, woraufhin der Betroffene stirbt. Etwa 75 Prozent der Sterbefälle ereignen sich daheim, ohne dass die betreffenden Personen einen Arzt riefen. Daran ist häufig die Hemmung schuld, aufgrund von vermeintlich harmlosen Brustschmerzen sofort den Notarzt herbeizuholen.

Symptome eines Herzinfarkts

Frauen haben bei einem Herzinfarkt häufig andere Beschwerden im Gegensatz zu Männern. Deshalb landen sie oft zu einem späteren Zeitpunkt in der Notaufnahme von einem Krankenhaus. Jedes Jahr werden bundesweit ungefähr 222.600 Frauen, jedoch zwei Mal so viele Männer aufgrund einer ischämischen Herzerkrankung stationär behandelt. Und trotzdem sterben noch mehr Frauen an einem Herzinfarkt als Männer.

Vorboten für einen Herzinfarkt

Die folgenden Alarmzeichen deuten möglicherweise auf einen Herzinfarkt hin:

– mindestens fünf Minuten anhaltende Beschwerden in der Brust, welche in Schulter, Arme, Oberbauch, Hals oder Kiefer ausstrahlen können
– heftiger Druck, starkes Engegefühl, Atemnot, Brennen innerhalb der Brust
– zusätzlich Übelkeit, Angst
– Schwächegefühl, ebenso ohne Schmerz
– fahle, blasse Gesichtsfarbe, kalter Schweiß
– Erwachen in der Nacht mit Schmerzen innerhalb der Brust gilt als spezielles Alarmzeichen
– bei Frauen: Kurzatmigkeit oder Atemnot, Oberbauchschmerz, Übelkeit oder Erbrechen, Rückenschmerzen, Kieferschmerzen oder Zahnschmerzen

Oft wird ein stummer Infarkt keineswegs erkannt

Ein Drittel der Herzinfarkte verläuft unbemerkt. Hier geht es um einen stummen Infarkt, welcher lediglich bei entsprechenden routinemäßigen Kontrollen mit Blut-, Blutdruckuntersuchungen oder EKG festgestellt wird. Oft sind die Betroffenen Diabetiker, Frauen und ältere Menschen. Bei geringerer Belastung, Schweißausbrüchen, Übelkeit und Kollapsneigung sollte man einen Arzt konsultieren.

Herzinfarkt-Ambulanzen in zahlreichen deutschen Kliniken

In zahlreichen Kliniken Deutschlands gibt es Chest Pain Units. Das sind spezielle Ambulanzen für Betroffene mit akuten Brustschmerzen, in denen Infarkte sehr schnell erkannt sowie behandelt werden sollen. Diese Ambulanzen hat man nach amerikanischem Vorbild aufgebaut. Dort senkte man die Sterblichkeitsrate nach Infarkten um 37 Prozent. Rund um die Uhr sind diese Chest Pain Units geöffnet und für Herzinfarkt-Patienten speziell vorbereitet. Innerhalb kürzester Zeit werden Labor- und EKG-Untersuchungen vorgenommen, welche aufzeigen, ob bei diesen Beschwerden eine lebensbedrohliche Krankheit wie ein Herzinfarkt dahintersteckt, welche unverzüglich zu behandeln ist.

Überlebenschance steigt durch schnelle Behandlung

Wenn ein Herzinfarkt während der ersten Stunden im Herzkatheterlabor therapiert wird, steigt die Überlebenschance erheblich. Notfalls ist die Standardtherapie eine Herzkatheder-Untersuchung. Dabei schiebt ein Kardiologe einen dünnen Schlauch aus Kunststoff über die Leiste bis hin zum Herzen. Durch spezielle Röntgenmethoden mit Kontrastmitteln werden die Herzkranzarterien erkennbar. Mögliche Engstellen können genau lokalisiert, aufgedehnt und durch besondere Gefäßstützen offen gehalten. Genügt das nicht, sind die riskanten Engen mithilfe einer Bypass-Operation zu überbrücken.

Herzinfarkt vorbeugen

Ein Arzt kann mit Belastungs-, Bluttests und Ultraschall klären, wie hoch das entsprechende Herzinfarktrisiko ist. Die wichtigsten Auslöser für die Verengungen von Herzkranzgefäßen sind ein hoher Cholesterinwert, Rauchen, Bewegungsmangel, Bluthochdruck, genetische Veranlagung, Alter und Diabetes. Zur Vorbeugung empfehlen die Ärzte das Gewicht zu reduzieren, ausreichend Bewegung und eine gesunde Ernährung. Auf größere Mengen an Alkohol oder Rauchen sollte man verzichten.